15°23′48″E
≈ 516 m
Ein Talabschnitt · vier Entdeckungen
Unter
der
Burg
Hartenstein
Im Tal der Kleinen Krems, tief eingeschnitten in den Gneis des Waldviertels, drängen sich auf engstem Raum Eiszeithöhlen, ein geologischer Lehrpfad, der Zusammenfluss zweier Flüsse — und darüber eines der besten Bouldergebiete Ostösterreichs.
Vier Domains, ein Ort: Egal, wo Sie einsteigen — die anderen drei Entdeckungen liegen nur ein Stück weiter.
Dieselbe Geologie, aus vier Blickwinkeln erzählt.
Unterhalb der auf einem Felsblock thronenden Burgruine Hartenstein liegt alles dicht beieinander: das marmorne Felsband mit den Höhlen, die aufgefalteten Gneise des Lehrpfads, der „Zwickl", an dem Große und Kleine Krems zur Krems werden — und oberhalb, in den Wäldern über der Burg, die schattigen Boulderblöcke.
Man kann an einem Tag durch hunderttausend Jahre Besiedlung, durch die Gebirgsbildung des Waldviertels und über griffigen Fels wandern — zu Fuß, in wenigen Gehminuten voneinander entfernt.
Die Höhlen im Kremstal
Direkt unter der Burg, in einem hellen Kalkmarmorband des Burgfelsens, öffnet sich die Gudenushöhle — eine rund 30 Meter lange Durchgangshöhle gut acht Meter über der Kleinen Krems und eine der ältesten Siedlungsstätten Mitteleuropas. Funde reichen bis zu rund 70.000 Jahre zurück; aus jüngerer Zeit (Magdalénien) stammen die bekanntesten Stücke: eine Knochenpfeife — das älteste Musikinstrument Österreichs — und ein Adlerknochen mit eingeritztem Rentierkopf, beide heute im Naturhistorischen Museum Wien.
Das Felsband zieht sich weiter, und mit ihm eine ganze Reihe von Höhlen, in denen Forscher eiszeitliche Knochenfunde bargen:
Der Talweg ist gemütlich — die höher gelegenen Höhlen (Schusterlucke, Teufelskirche) erreicht man jedoch nur über den teils versicherten Vettersteig mit Leitern. Dafür sind gutes Schuhwerk, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit empfohlen.
Geologischer Lehrpfad
Der vom Geologen Prof. Dr. Alexander Tollmann begründete Lehrpfad führt auf gut zwei schattigen Kilometern mit geringen Höhenunterschieden an den Felsflanken des Hartensteiner Talstücks entlang und an der Gudenushöhle vorbei. An neun Tafeln werden die Gesteinsformationen genau erklärt — ein Begleitheft gibt es am Gemeindeamt Albrechtsberg.
Was man unterwegs lesen lernt:
Ausgangspunkt ist die Maigenmühle an der Straße zwischen Weinzierl am Walde und Albrechtsberg. Dem Weg folgt man entlang der Markierung schwarz–GEO–weiß.
Der Zwickl
Nahe Albrechtsberg, im engen, wildromantischen Flusstal, trifft die Große auf die Kleine Krems. „Am Zwickl" nennt man diese Stelle — von hier an heißen beide nur noch „die Krems" und fließen gemeinsam Richtung Donau. Es ist ein stiller, fast verwunschener Platz: In einem weiten Halbbogen umrauscht das Wasser den Burgfelsen, dunkel bewaldete Hänge steigen steil auf.
Nicht umsonst trägt der Talabschnitt den Beinamen „Grand Canyon des Waldviertels". Vom Zwickl sind es flussaufwärts nur wenige Minuten bis zur Burg, zur Gudenushöhle und zum Lehrpfad.
Der Talweg entlang der Krems bis zum Zwickl ist bequem und nahezu eben — er lässt sich ohne Probleme auch mit dem Kinderwagen gehen. (Die höher gelegenen Höhlen sind davon ausgenommen.)
Das Kraftwerk Hohenstein
Direkt am Zwickl, gleich nach dem Zusammenfluss, steht über dem schäumenden Wasser ein historisches Kleinwasserkraftwerk — so verspielt gebaut und schön restauriert, dass es einem kleinen Wasserschlösschen gleicht. An der Talgabelung staut ein Wehr das Wasser zu einem Stauweiher.
Einst errichtet, um die Wasserkraft der Krems in Strom zu verwandeln, prägt das „Kraftwerk Hohenstein" den Talkessel bis heute. Gegenüber türmt sich der Wotansfelsen auf — Kraftwerk, Fels und Zusammenfluss ergeben eines der eindrucksvollsten Bilder des ganzen Kremstals.
Bouldern über Hartenstein
Das Bouldergebiet über der Burg gilt in der Kletterszene als eines der besten Ostösterreichs — mancher Topo nennt es sogar das beste Niederösterreichs. Der dunkle, griffige Gneis und das gute Absprunggelände machen es zum Klassiker; die Blöcke liegen versteckt in den Buchenwäldern, verteilt über mehrere Sektoren — oft hat man sie ganz für sich allein.
Die schwersten Boulder warten in einer Höhle etwas weiter unten am Weg. Weil das Gebiet südostseitig ausgerichtet ist, lässt es sich bei Sonne sogar im Winter klettern. Zustieg über die Teufelsrast bzw. von Purkersdorf — auf die Markierung sollte man achten, sonst ist der Einstieg leicht zu verfehlen.
Crashpad mitnehmen, Grade von leicht bis ~7b/7b+. Bitte rücksichtsvoll mit Fels, Moos und Wald umgehen — das Gebiet lebt von seiner Ruhe.
Mittendrin auf dem Lebensweg
Dieser Talboden ist zugleich ein Stück des „Lebenswegs" — eines rund 260 km langen Weitwanderwegs durchs südliche Waldviertel, dessen 13 Etappen je einen Abschnitt des menschlichen Lebens symbolisieren. Er verbindet zwei markierte Routen, den Kremstalweg Nr. 625 und den Ysper-Weitental-Rundwanderweg Nr. 22, und wird bewusst nur in einer Richtung gegangen.
Wer hier wandert, ist also nicht nur geologisch, sondern auch sinnbildlich unterwegs.
Integration / sesshaft werden
Durch den „Grand Canyon des Waldviertels"
Von Els hinunter zur Kleinen Krems, vorbei an Burg Hartenstein und Gudenushöhle bis zum Zwickl — dort, wo Kleine und Große Krems zur Krems werden — und weiter entlang der Großen Krems. Der geologische Lehrpfad und die abseits gelegenen Höhlen liegen direkt am Weg.
- Weg
- Lebensweg / Kremstalweg Nr. 625
- Saison
- April bis Oktober
- Richtung
- nur in eine Gehrichtung markiert
Häufige Fragen
Ist der Weg zum Zwickl kinderwagentauglich?
Ja. Der Talweg entlang der Krems bis zum Zwickl ist eben und bequem und lässt sich ohne Probleme mit dem Kinderwagen gehen. Die höher gelegenen Höhlen sind davon ausgenommen.
Braucht man für die Höhlen besondere Ausrüstung?
Der Talweg ist gemütlich. Schusterlucke und Teufelskirche erreicht man jedoch nur über den teils versicherten Vettersteig mit Leitern — dafür sind festes Schuhwerk, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit empfohlen.
Wie schwer sind die Boulder über Hartenstein?
Die Grade reichen von leicht bis etwa 7b/7b+. Geklettert wird an dunklem, griffigem Gneis; das südostseitige Gebiet ist bei Sonne sogar im Winter nutzbar. Ein Crashpad ist empfohlen. Tourenbeschreibungen findest du beim Alpenverein (siehe Bouldern-Abschnitt).
Wo ist der Ausgangspunkt und wann ist die beste Zeit?
Ausgangspunkt ist die Maigenmühle, rund 15 km westlich von Krems an der Donau. Der Talabschnitt ist Teil des Lebenswegs (Etappe 7) bzw. des Kremstalwegs Nr. 625; empfohlene Saison ist April bis Oktober.
Alles an einem Ort
Kartenausschnitt Burg Hartenstein · Kleines Kremstal
Hinweis: Markierungen außer Burg/Gudenushöhle sind ungefähre Lagen — exakte Koordinaten unten im Skript (Array POINTS) anpassbar.
Anreise & Lage
Das kleine Kremstal liegt rund 15 km westlich von Krems an der Donau, im Gemeindegebiet von Weinzierl am Walde bzw. Albrechtsberg an der großen Krems.
Ausgangspunkt ist die Maigenmühle an der Straße zwischen Weinzierl am Walde und Albrechtsberg; von dort folgt man der Forststraße entlang der Kleinen Krems. Der Talweg bis zum Zwickl ist eben und bequem (kinderwagentauglich); die höher gelegenen Höhlen und das Bouldergebiet erfordern festes Schuhwerk und Trittsicherheit. Fürs Bouldern parkt man bei der Brücke nahe der Burg oder kürzer in Purkersdorf.
Stand 2024: Der Steg über die Kleine Krems zur Gudenushöhle wurde wegen Baufälligkeit abgetragen. Die Burg selbst ist in Privatbesitz und nur von außen zu sehen. Bitte Wege und Natur respektieren.
Übernachten in der Region
Wer länger bleiben möchte: Der Waldviertler Ferienhof in Purkersdorf/Albrechtsberg ist ein historischer Vierkanthof — ideal als Basislager für Höhlen, Wandern und Boulder.
waldviertlerferienhof.at →