48°26′46″N
15°23′48″E
≈ 516 m

Ein Talabschnitt · vier Entdeckungen

Unter der Burg
Hartenstein

Im Tal der Kleinen Krems, tief eingeschnitten in den Gneis des Waldviertels, drängen sich auf engstem Raum Eiszeithöhlen, ein geologischer Lehrpfad, der Zusammenfluss zweier Flüsse — und darüber eines der besten Bouldergebiete Ostösterreichs.

Vier Domains, ein Ort: Egal, wo Sie einsteigen — die anderen drei Entdeckungen liegen nur ein Stück weiter.

Dieselbe Geologie, aus vier Blickwinkeln erzählt.

Unterhalb der auf einem Felsblock thronenden Burgruine Hartenstein liegt alles dicht beieinander: das marmorne Felsband mit den Höhlen, die aufgefalteten Gneise des Lehrpfads, der „Zwickl", an dem Große und Kleine Krems zur Krems werden — und oberhalb, in den Wäldern über der Burg, die schattigen Boulderblöcke.

Man kann an einem Tag durch hunderttausend Jahre Besiedlung, durch die Gebirgsbildung des Waldviertels und über griffigen Fels wandern — zu Fuß, in wenigen Gehminuten voneinander entfernt.

Foto: GudenushöhleBild ablegen unter  img/hoehlen.jpg
Gudenushöhle unter der Burg Hartenstein
Gudenushöhle im Kalkmarmorband
01Eiszeit

Die Höhlen im Kremstal

Gudenushöhle · Eichmeierhöhle · Schusterlucke · Teufelskirche

Direkt unter der Burg, in einem hellen Kalkmarmorband des Burgfelsens, öffnet sich die Gudenushöhle — eine rund 30 Meter lange Durchgangshöhle gut acht Meter über der Kleinen Krems und eine der ältesten Siedlungsstätten Mitteleuropas. Funde reichen bis zu rund 70.000 Jahre zurück; aus jüngerer Zeit (Magdalénien) stammen die bekanntesten Stücke: eine Knochenpfeife — das älteste Musikinstrument Österreichs — und ein Adlerknochen mit eingeritztem Rentierkopf, beide heute im Naturhistorischen Museum Wien.

Das Felsband zieht sich weiter, und mit ihm eine ganze Reihe von Höhlen, in denen Forscher eiszeitliche Knochen­funde bargen:

EichmeierhöhleEine der größten Höhlen im Tal — beeindruckend das Marmorband in ihrer Decke. Nahe dem „Steinernen Saal", einem mächtigen Felsüberhang mit weitem Ausblick.
Schusterlucke & TeufelskircheHöher in der gegenüber­liegenden Felswand gelegen, nur über den teils versicherten Vettersteig mit Leitern erreichbar — dafür mit großem Abenteuer­charakter.
Teufelsrast & WotansfelsenAussichtsfelsen über dem Tal, mit Blick auf den „Grand Canyon des Waldviertels" und hinüber zu den Höhlen.
Festes Schuhwerk & Trittsicherheit

Der Talweg ist gemütlich — die höher gelegenen Höhlen (Schusterlucke, Teufelskirche) erreicht man jedoch nur über den teils versicherten Vettersteig mit Leitern. Dafür sind gutes Schuhwerk, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit empfohlen.

Foto: Eichmeierhöhleimg/hoehle-eichmeier.jpg
Eichmeierhöhle mit Marmorband in der Decke
Eichmeierhöhle — Marmorband in der Decke
Foto: Schusterluckeimg/hoehle-schusterlucke.jpg
Schusterlucke und Teufelskirche am Vettersteig
Schusterlucke & Teufelskirche am Vettersteig
Foto: Geologischer LehrpfadBild ablegen unter  img/lehrpfad.jpg
Felsformationen am geologischen Lehrpfad
Gefaltete Gneise entlang des Lehrpfads
02900 Mio. Jahre

Geologischer Lehrpfad

9 Stationen · ~2 km · Markierung schwarz–GEO–weiß

Der vom Geologen Prof. Dr. Alexander Tollmann begründete Lehrpfad führt auf gut zwei schattigen Kilometern mit geringen Höhenunterschieden an den Felsflanken des Hartensteiner Talstücks entlang und an der Gudenushöhle vorbei. An neun Tafeln werden die Gesteinsformationen genau erklärt — ein Begleitheft gibt es am Gemeindeamt Albrechtsberg.

Was man unterwegs lesen lernt:

GebirgsbildungWie aus tief versenkten Gesteinen das kristalline Grundgebirge des Waldviertels wurde.
Faltung, Schieferung & AuswalzungDie Spuren enormer Drücke, sichtbar in den verbogenen Lagen der Felswände.
Gneis, Marmor & GlimmerschieferDie typischen metamorphen Gesteine — und warum ausgerechnet hier ein Marmorband die Höhlen formt.
Start & Orientierung

Ausgangspunkt ist die Maigenmühle an der Straße zwischen Weinzierl am Walde und Albrechtsberg. Dem Weg folgt man entlang der Markierung schwarz–GEO–weiß.

Foto: Marmorbandimg/lehrpfad-marmor.jpg
Helles Marmorband im Burgfelsen
Das Marmorband am Burgfelsen
Foto: Gefalteter Gneisimg/lehrpfad-gneis.jpg
Gefaltete Gneise und Glimmerschiefer
Gefaltete Gneise & Glimmerschiefer
Foto: Am ZwicklBild ablegen unter  img/zwickl.jpg
Zusammenfluss von Großer und Kleiner Krems am Zwickl
Wo Große und Kleine Krems zusammentreffen
03Zusammenfluss

Der Zwickl

Wo aus zwei Flüssen einer wird

Nahe Albrechtsberg, im engen, wildromantischen Flusstal, trifft die Große auf die Kleine Krems. „Am Zwickl" nennt man diese Stelle — von hier an heißen beide nur noch „die Krems" und fließen gemeinsam Richtung Donau. Es ist ein stiller, fast verwunschener Platz: In einem weiten Halbbogen umrauscht das Wasser den Burgfelsen, dunkel bewaldete Hänge steigen steil auf.

Nicht umsonst trägt der Talabschnitt den Beinamen „Grand Canyon des Waldviertels". Vom Zwickl sind es flussaufwärts nur wenige Minuten bis zur Burg, zur Gudenushöhle und zum Lehrpfad.

Kinderwagentauglich

Der Talweg entlang der Krems bis zum Zwickl ist bequem und nahezu eben — er lässt sich ohne Probleme auch mit dem Kinderwagen gehen. (Die höher gelegenen Höhlen sind davon ausgenommen.)

Foto: Kraftwerk Hohensteinimg/kraftwerk.jpg
Historisches Kraftwerk Hohenstein am Zwickl
Kraftwerk Hohenstein — am Zusammenfluss
Wasserkraft · Historie

Das Kraftwerk Hohenstein

Direkt am Zwickl, gleich nach dem Zusammenfluss, steht über dem schäumenden Wasser ein historisches Kleinwasserkraftwerk — so verspielt gebaut und schön restauriert, dass es einem kleinen Wasserschlösschen gleicht. An der Talgabelung staut ein Wehr das Wasser zu einem Stauweiher.

Einst errichtet, um die Wasserkraft der Krems in Strom zu verwandeln, prägt das „Kraftwerk Hohenstein" den Talkessel bis heute. Gegenüber türmt sich der Wotansfelsen auf — Kraftwerk, Fels und Zusammenfluss ergeben eines der eindrucksvollsten Bilder des ganzen Kremstals.

Foto: Am Zwicklimg/zwickl-2.jpg
Flusslandschaft am Zwickl
Wildromantisches Flusstal
Foto: Am Zwicklimg/zwickl-3.jpg
Detail am Zusammenfluss der Krems
Detail am Zusammenfluss
Platzhalter — Foto folgtBoulderblock · img/bouldern.jpg
Boulderblock aus dunklem Gneis
Dunkler Gneis über der Burg Hartenstein
04Gneis

Bouldern über Hartenstein

Mehrere Sektoren · dunkler Gneis · südostseitig

Das Bouldergebiet über der Burg gilt in der Kletterszene als eines der besten Ostösterreichs — mancher Topo nennt es sogar das beste Niederösterreichs. Der dunkle, griffige Gneis und das gute Absprung­gelände machen es zum Klassiker; die Blöcke liegen versteckt in den Buchenwäldern, verteilt über mehrere Sektoren — oft hat man sie ganz für sich allein.

Die schwersten Boulder warten in einer Höhle etwas weiter unten am Weg. Weil das Gebiet südostseitig ausgerichtet ist, lässt es sich bei Sonne sogar im Winter klettern. Zustieg über die Teufelsrast bzw. von Purkersdorf — auf die Markierung sollte man achten, sonst ist der Einstieg leicht zu verfehlen.

Gut zu wissen

Crashpad mitnehmen, Grade von leicht bis ~7b/7b+. Bitte rücksichtsvoll mit Fels, Moos und Wald umgehen — das Gebiet lebt von seiner Ruhe.

Weitwandern

Mittendrin auf dem Lebensweg

Dieser Talboden ist zugleich ein Stück des „Lebenswegs" — eines rund 260 km langen Weitwanderwegs durchs südliche Waldviertel, dessen 13 Etappen je einen Abschnitt des menschlichen Lebens symbolisieren. Er verbindet zwei markierte Routen, den Kremstalweg Nr. 625 und den Ysper-Weitental-Rundwanderweg Nr. 22, und wird bewusst nur in einer Richtung gegangen.

Wer hier wandert, ist also nicht nur geologisch, sondern auch sinnbildlich unterwegs.

7Etappe · 30–40 Jahre
Integration / sesshaft werden

Durch den „Grand Canyon des Waldviertels"

Von Els hinunter zur Kleinen Krems, vorbei an Burg Hartenstein und Gudenushöhle bis zum Zwickl — dort, wo Kleine und Große Krems zur Krems werden — und weiter entlang der Großen Krems. Der geologische Lehrpfad und die abseits gelegenen Höhlen liegen direkt am Weg.

Weg
Lebensweg / Kremstalweg Nr. 625
Saison
April bis Oktober
Richtung
nur in eine Gehrichtung markiert

Häufige Fragen

Ist der Weg zum Zwickl kinderwagentauglich?

Ja. Der Talweg entlang der Krems bis zum Zwickl ist eben und bequem und lässt sich ohne Probleme mit dem Kinderwagen gehen. Die höher gelegenen Höhlen sind davon ausgenommen.

Braucht man für die Höhlen besondere Ausrüstung?

Der Talweg ist gemütlich. Schusterlucke und Teufelskirche erreicht man jedoch nur über den teils versicherten Vettersteig mit Leitern — dafür sind festes Schuhwerk, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit empfohlen.

Wie schwer sind die Boulder über Hartenstein?

Die Grade reichen von leicht bis etwa 7b/7b+. Geklettert wird an dunklem, griffigem Gneis; das südostseitige Gebiet ist bei Sonne sogar im Winter nutzbar. Ein Crashpad ist empfohlen. Tourenbeschreibungen findest du beim Alpenverein (siehe Bouldern-Abschnitt).

Wo ist der Ausgangspunkt und wann ist die beste Zeit?

Ausgangspunkt ist die Maigenmühle, rund 15 km westlich von Krems an der Donau. Der Talabschnitt ist Teil des Lebenswegs (Etappe 7) bzw. des Kremstalwegs Nr. 625; empfohlene Saison ist April bis Oktober.

Alles an einem Ort

Kartenausschnitt Burg Hartenstein · Kleines Kremstal

Höhlen Geologischer Lehrpfad Zwickl Bouldern

Hinweis: Markierungen außer Burg/Gudenushöhle sind ungefähre Lagen — exakte Koordinaten unten im Skript (Array POINTS) anpassbar.

Anreise & Lage

Das kleine Kremstal liegt rund 15 km westlich von Krems an der Donau, im Gemeindegebiet von Weinzierl am Walde bzw. Albrechtsberg an der großen Krems.

Ausgangspunkt ist die Maigenmühle an der Straße zwischen Weinzierl am Walde und Albrechtsberg; von dort folgt man der Forststraße entlang der Kleinen Krems. Der Talweg bis zum Zwickl ist eben und bequem (kinderwagentauglich); die höher gelegenen Höhlen und das Bouldergebiet erfordern festes Schuhwerk und Trittsicherheit. Fürs Bouldern parkt man bei der Brücke nahe der Burg oder kürzer in Purkersdorf.

Stand 2024: Der Steg über die Kleine Krems zur Gudenushöhle wurde wegen Baufälligkeit abgetragen. Die Burg selbst ist in Privatbesitz und nur von außen zu sehen. Bitte Wege und Natur respektieren.

Übernachten in der Region

Wer länger bleiben möchte: Der Waldviertler Ferienhof in Purkersdorf/Albrechtsberg ist ein historischer Vierkanthof — ideal als Basislager für Höhlen, Wandern und Boulder.

waldviertlerferienhof.at →